Selbstverletzung

Die Mitschüler in Sorge, ein Ansprechpartner nur schwer aufzutreiben: Die Narben sind zuerst  fein, später deutlich sichtbar. Das Kind weiß kaum, ob es gerade noch von dieser Welt ist.

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Gewaltentladung

„Du, Alltagsarbeiter? Ich hatte im Nachmittagsunterricht in deiner Klasse Vertretung. Da war ein Junge, ich weiß seinen Namen jetzt nicht, der hat sich plötzlich den Bauch gehalten und meinte er hätte Bauchschmerzen, weil er den ganzen Tag noch nichts gegessen hat. Ich hatte jetzt auch kein Brot oder so dabei, ich habe ihm noch meinen Apfel gegeben.“
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Verfickte Fickficker

Mit dem laufenden Schuljahr habe ich meine Karriere als Mathehilfslehrer gestartet, sprich ich bin in einer fünften Klasse während des Mathematikunterrichts als Verstärkung eingesetzt.

Adriano verbringt die Stunde schon seit ihrem Beginn mit dem Kopf auf dem Tisch liegend und macht keine Anstalten, heute sein Heft oder sein Mathebuch aufzuschlagen. Der Schüler, der aus bittertraurigen Lebensverhältnissen stammt und unsere Schule schon einige Male in Atem gehalten hat, dämmert  mit leerem Gesicht vor sich hin. Seine einzige Beschäftigung besteht darin, in seiner Sitz- bzw. Liegehaltung mit dem Füller in einen Zeichenbock zu schreiben. Ich gehe zu ihm hin und lese:

„“Fick Fehler“

„Petros ist ein Fick Fehler“

„Fuckyou, Fuckyou, Fuckyou.“

„Huren“

Ich schließe seinen Block und fordere ihn auf, sein Heft herauszunehmen und das Buch auf der passenden Seite aufzuschlagen. In diesem Moment braucht eine andere Schülerin Hilfe, ich wende mich ihr zu. Als ich zu Adriano zurückkehre, hat er seinen Block längst wieder aufgeschlagen und weitergeschrieben, kreuz und quer über die Seite steht:

„Ihr könnt mich mal alle“

„Wixxer“

„Scheißkinder“

„Haha Haha“

„Arschlöcher“

„Mutter Ficker“

„SPASTIS“

„Fettsäcke“

„Fickt euch“

„Scheiße Zerfickt hab Ich euch“

„Idioten“

„verfickte Kinder“

Wie zu erwarten, bleiben meine weiteren Aufforderungen, sein Unterrichtsmaterial aufzuschlagen, erfolglos. Das nach wie vor leere Gesicht ist ganz weit weg von Mathematik. Mit einer Hand klammert sich Adriano am Block fest, mit dem Füller in der anderen malt er eine neue Seite blau an. Auf meine letzte Aufforderung hin beginnt er mit einem Tintenkiller, den er inzwischen in der Schreibhand hat, in das blaue Tintenfeld zu schreiben:

„Nein“