Jugendamts-Blues II – Entfernte Lebenszeichen

Ja, das Kind lebt! Und wird kommen. In die Schule! Behauptet man. 

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Frohes Neues!

Die Weihnachsferien sind vorbei, die Schule beginnt wieder. Allerdings nicht an einem Montag, sondern an einem Mittwoch. Also mitten in der Woche. Was harmlos klingt, ist Anlass größerer Verwirrungen, die die ersten Unterrichtsminuten lahmlegen. Eigentlich steht Religion auf dem Stundenplan meiner Klasse, daher habe ich vor, genau dieses Fach zu unterrichten. Ich habe den Klassenraum kaum betreten, da stürzen schon die ersten Schüler auf mich zu:

„Ich dachte, heute wäre Montag, ich hab‘ jetzt nur Deutschsachen mit!“ So der Erste.

„Ich wusste nicht, dass wir heute Religion haben!“ So die Zweite. Warum? „Ich dachte, heute wär‘ Montag, weil ja heute wieder Schule ist.“

„Ich hab‘ nur Geschichte dabei!“, tönt mir der Dritte entgegen. Warum ausgerechnet Geschichte? Das passt nämlich weder zum Montag noch zum Mittwoch, Geschichte hat meine Klasse bei mir am Dienstagmorgen. „Ja, weil wir sie heute in der ersten Stunde haben. Das ist ja sonst in der Woche Geschichte.“ Durchaus eine aufwendige Logik.

Die Vierte kommt zum Pult gelaufen. Ich schicke sie an ihren Platz, denn eigentlich möchte ich die Schüler begrüßen, ihnen ein frohes neues Jahr wünschen. „Ja aber, ich habe…“ „… keine Religionssachen dabei?“, führe ich ihren Satzanfang fort. Sie nickt: „Ich dachte, es wär‘ Montag.“

Nach der Begrüßung meldet sich ein Junge. Er finde seine Religionssachen nicht. Dass heute Mittwoch ist, weiß er übrigens. Er hat seine Schulsachen einfach so vergessen. Eine kurze Abfrage in der Klasse ergibt, dass die vorhandenen Bücher gerade eben für jeweils zwei Schüler reichen. Die Stunde kann beginnen.