Mädchenarbeit

Der Kochunterricht ist bei den meisten Schülern beliebt. Kein theoretischer Unterricht mit Buchaufgaben und drögen Arbeitsblättern, stattdessen Bewegung, praktische Arbeit und am Ende ein Ergebnis, das einigen sogar schmeckt. Wie gesagt, meistens ist der Kochunterricht beliebt.
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Dem Himmel sei Dank (?!)

Ein Gespräch, zwei unverrückbare  Meinungen und der feste Glaube, sich einig zu sein. Wenn Kommunikation sich verselbstständigt.
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Verpiss dich!

„Herr Alltagsarbeiter, da ist ein Junge, der beleidigt uns die ganze Zeit.“ Niklas aus meiner Klasse steht während meiner Pausenaufsicht vor mir. Ich gebe erst einmal die typischen Lehrerantworten, erzähle etwas von aus dem Weg gehen. Dieser Ratschlag kommt schnell an seine Grenzen, als der Übeltäter anfängt, seine Zielpersonen zu verfolgen. Mit aus-dem-Weg-gehen funktioniert die Lösung also nicht. Ich schiebe mich zwischen die Schüler um sie räumlich voneinander zu trennen: „Ich höre, hier gibt es ein Problem?“

„Nö.“, sagt der Verfolger, der sich als klitzkleiner Hänfling, der unter seinem Baseballcap geradezu zu verschwinden scheint, entpuppt. „Verpiss dich!“ Ich verpisse mich nicht, bin dafür aber umso neugieriger. „Was ist denn dein Problem mit den anderen?“, möchte ich wissen. „Dass du dich verpissen sollst!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ich denke nicht dran. Die Jungs aus meiner Klasse gehen inzwischen woanders hin, der namenlose Verfolger kommt hinterher.

„Wie heißt du?“

„Was issn noch? Verpiss dich!“

„Du kannst mir entweder deinen Namen sagen oder wir treffen uns vor deiner Klasse wieder und anschließend bei der Schulleitung. Ich werde deinen Namen also herausbekommen.“

„Dass du dich verpissen sollst, was willstn noch? Verpiss dich!“

Der Gong beendet die Pause, die Schüler strömen ins Gebäude zurück. Bis auf den kleinen Jungen, der mich nach wie vor ins Verpiss-dich-Land verwünscht. Er bleibt auf dem Hof. Klar, er will verhindern, dass ich seinen Namen erfahre. In diesem Moment kommt der Schulleiter über den Hof, ich übergebe an ihn.

„Maan, was issn jetzt wieder? Verpiss dich endlich!“

Völlig ahnungslos

Bei Sergej rollen die Tränen, als er erfährt, dass auch die Polizei informiert wurde. Und das, obwohl er völlig unschuldig ist! Wie es soweit kommen konnte? In Sergejs Welt fing es so harmlos an. Er hat sich doch nur im Kunstunterricht gemeldet. Allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger (seit Jahrzenhnten im Schulbetrieb bewährt), sondern mit einem ausgestreckten rechten Arm, der schräg nach oben in die Luft weist. Viele Mitschüler finden diese Geste merkwürdig, sie wissen, wenn auch vielleicht nur diffus, dass damit etwas Schlimmes in Verbindung gebracht wird. Sergej bemerkt die Blicke aus der Klasse, grinst und legt mit seiner linken Hand zwei Finger an seine Oberlippe. Hitlergruß und Hitlerbürste sind perfekt. Die Klasse ist entsetzt und für Sergej endet in diesem Moment der Schultag.

Die Kunstarbeiterin und ich, der gerade eine Freistunde hat, eskortieren ihn zur Schulleitung. Sie will dort die Ereignisse schildern, während ich parallel dazu den obligatorischen Tadel schreibe. Wenn das nicht Arbeit Hand in Hand ist, nur der Anlass könnte erfreulicher sein. Sergej gibt währenddessen den Ahnungslosen: „Ich habe eine Frage. Was habe ich eigentlich gemacht?“ „Du weißt sehr genau, dass das der Hitlergruß war, denn das hat man an deiner Reaktion im Klassenraum gesehen.“, antworten wir fast zeitgleich. „Aber ich weiß gar nicht, was das bedeutet!“, verteidigt sich Sergej, „ich wollte mich doch nur am Auge kratzen!“ Er setz erneut an: „Was habe ich eigentlich gemacht?“ Und: „Ich weiß gar nicht, was ich gemacht haben soll!“

Die Schulleitung spricht die Suspendierung für den restlichen Unterrichtstag aus, der Tadel ist bereit zur Unterschrift.