Hüter der Toiletten II: Flurgespräche

Je weiter das Schuljahr vorrückt, desto unsichtbarer werden die Toilettenaufsichten für die Schüler. Zu Beginn haben sie ihre Gespräche noch unterbrochen, wenn sie an uns vorbeigingen. Jetzt gegen Jahresende bin ich für sie nicht mehr da, wodurch ich immer ein paar Gesprächsfetzen mitbekomme, wenn ein Pulk Mädchen oder Jungen auf die Türen der Schultoiletten zusteuert. Das erste Paar Mädchen der heutigen Pause ist ganz aus dem Häuschen:

„…ey, ne Sechstklässlerin! Die nennt mich einfach Fotze! NE SECHSTKLÄSSLERIN! Die kennt mich noch nicht mal und nennt mich einfach Fotze!…“

Auch die nächsten beiden Schülerinnen des Abschlussjahrgangs sind nicht glücklich, zumindest eine von beiden:

„…muss das jetzt sein?! Jetzt hab‘ ich meine Tage, so kurz vorm Abschlussball! Ich hab‘ eh schon Scheißlaune.“

Waren nicht zwei Jungen schon vor einigen Minuten in den Toilettenräumen verschwunden und bisher nicht wieder herausgekommen? So ein Schul-WC riecht zwar nicht gut, aber in den Kabinen kann man ungestört mit seinem Handy spielen. Geruchsbelästigung gegen Handyspaß. Ich gehe nachsehen. Einer steht an den Rand der Kabinen gelehnt und unterhält sich bei offener Tür mit seinem Freund, der gerade – nun ja – schwer beschäftigt ist. Zwei Dinge, die gleichzeitig erledigt werden. Die Jungen wissen ihre Zeit effektiv zu nutzen. Ich bugsiere den Nichtsitzenden der beiden erst zum Waschbecken, dann nach draußen. Mit ihren Handys haben sie übrigens nicht gespielt soweit ich das beurteilen kann.

Zurück auf dem Flur sind die ersten Mädchen auf dem Rückweg nach draußen:

„Da nennt dieses kleine Mädel andere einfach Fotze! Fotze!“

„Die hat fast nichts an! Und die postet ja auch Fotos von sich bei Instagram!“ Weitere Mädchen empören sich, während sie an mir vorbeigehen.

Jetzt kommen wieder zwei Jungen auf mich zu. Einer von beiden ist Aaron aus meiner Klasse und dem aktuellen Modetrend folgend ist er heute in Jogginghose aufgetaucht. Aaron ist ebenfalls ganz in das Gespräch mit seinem Mitschüler vertieft, das seinen Höhepunkt nimmt, als sie mich passieren:

„Guck‘ mal, ich habe einen Ständer!“

Ich wende meinen Blick ab.

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