Projektwoche – Der erste Tag

Als Hauswirtschaftslehrer war mein Thema der diesjährigen Projektwoche schnell gefunden: Meine Klasse geht in die Küche! So versammeln sich an einem Montagmorgen knapp über 20 Schüler in der Schulküche, sogar Jana, die nur selten zur Schule kommt, steht pünktlich vor der Küchentür. Wir hätten noch ein, zwei Leute mehr sein können, doch Sergej fehlt an diesem Morgen. Auch ihn sehe ich immer seltener im Unterricht.

Einige Kinder haben bereits Vorerfahrungen, sei es weil sie zu Hause mit Geschwistern oder Eltern backen oder weil sie mit für den Abwasch zuständig sind. Für andere ist die Welt der Herdplatten Neuland – sei’s drum, heute wird geschnippelt, jeder muss ran. Drei Beobachtungen bleiben am Ende des Tages:

Es wird langsam Frühling. Das bedeutet Schaulaufen für frühpubertierende Mädchen. Konkreter: Mit steigenden Temperaturen werden Sarinas Oberteile kürzer, Aufmerksamkeit ist ihr damit sicher. Wohin sie geht, tanzt und springt, die Blicke der Jungen folgen ihr zuverlässig. Ich bin überzeugt, dass Sarina dass weiß.

Küchenschürzen besitzen für manche Schüler eine magische Anziehungskraft. Besonders ein paar Jungen finden sie so toll, dass sie sich am nächsten Tag eine eigene von Zuhause mitbringen werden. Die Schürze hängen sie sich dann aber nicht um den Hals, sondern binden sie nur auf Gürtelhöhe fest. Chefkoch-Chic.

Auch flippige Schüler wie Ture, der gerne mal das ganze Schulgebäude beturnt und dessen „Pausenspiele“ nur daraus zu bestehen scheinen, dass er Mitschülerinnen und Mitschüler berammelt, sind ganz vom Obstschneiden eingenommen. Selbiges gilt für Milo, der aus jeglichem Unterricht eine Blödelsituation macht, durch die er alle anderen Schüler zu dominieren versucht. Beide erledigen konzentriert ihre Aufgabe und ständig verschwindet ein Stück Obst in ihrem Mund. Dadurch wird der spätere Obstsalat zwar immer kleiner, aber das Obst wird garantiert gegessen. Schneidet mehr Obst!

Oder um es mit Tures Worten zu sagen: „Ich wusste gar nicht, dass Kochen so viel Spaß machen kann!“

Auch Sarinas Begeisterung erreicht mich lautstark: „Ich hab‘ noch nie was in der Küche gemacht! Sind Sie stolz auf mich, Herr Alltagsarbeiter?!“

Später werden Manuel und Milo die Schulküche wienern, als lieferten sie sich einen Wettbewerb darum, wessen Waschbecken am besten spiegelt.

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