E-Mail für mich 2 – Nichts mit Rassismus, die persönliche Begegnung

Maikels Mutter will nicht, dass ihr Sohn an einem Projekt teilnimmt, das sich mit „ausländischer Kultur“ beschäftigt. So hat hat sie es in einer seitenlangen E-Mail an mich dargelegt. Nein, mit Rassismus habe das nichts zu tun, begründen wollte man das Ganze aber auch nicht. Es interessiere Maikel nicht, er wolle das nicht, sie als seine Mutter ebenso nicht und überhaupt. Auch wenn Maikel gegenüber der betreffenden Kollegin etwas anderes geäußert hatte. Eigentlich nahm Maikel an einem ganz anderen Projekt teil, er sollte wandern. Unglücklicherwiese wurde er krank, seine Mutter rief nicht in der Schule an und sich nachträglich um seine Versäumnisse kümmern? Nein, das kam nicht in Frage. Maikel ward die ganze Projektwoche über nicht in der Schule gesehen.

Eine Woche später findet der Klassenausflug statt. Maikel befindet sichzwar  zur angesagten Zeit nicht im angesagten Raum, aber als ich mit einer Kollegin und der Klasse das Schulgebäude verlasse, treffe ich Maikel in Begleitung seiner Mutter. Ich wünsche beiden einen guten Morgen. Die Antwort kommt prompt und grußlos:

„Sagen Sie mal Herr Alltagsarbeiter, ich hab‘ da mal ’ne Frage: Lesen Sie Ihre E-Mails nicht?“

Selbstverständlich tue ich das, weise aber darauf hin, dass ich die Kommunikation per Mail am Anfang des Schuljahres ausgeschlossen habe. Maikels Mutter war beim entsprechenden Elternabend anwesend. Auch damals grüßte sie übrigens nicht.

„Ja, man erreicht Sie ja sonst nicht!“

Ich erkläre, dass ich über unser Sekretariat sehr wohl zu erreichen bin und erkläre weiterhin, dass wir als Schule genau das letzte Woche erwartet von ihr hätten. Dann wären die Lehrer aus Maikels Projekt informiert gewesen und man hätte ihr auf dieser Grundlage alle nötigen Informationen zukommen lassen können. Dazu schweigt die Frau. Nach einem kurzen Moment der Stille setzt sie erneut an:

„Aber das mit der ausländischen Kultur ging ja auch gar nicht!“

Natürlich ging das. Abseits von gesellschaftlichen und politischen Erwägungen gibt es dafür einen einfachen Grund: die Schulpflicht. Über die Verletzung der selbigen schweigt sich Maikels Mutter erneut aus. Ich konfrontiere die Frau damit, dass die betreffende Kollegin von der „ausländischen Kultur“ Maikel darüber hinaus mehrfach gefragt habe, ob das Ersatzprojekt für ihn in Ordnung sei und dass er das ebenso mehrfach bejaht habe. Die Mutter schweigt weiterhin.

Für den heutigen Tag sind grundsätzlich warme Temperaturen und Sonnenschein angekündigt, nur am Vormittag sollen Regenfälle das frühlingshafte Bild trüben. Und just in diesem Moment ergießt der erste starke Schauer über unseren Köpfen. Leider trägt Maikel weder eine Jacke noch einen Regenschirm. Ich spanne meinen Schirm über uns beiden auf, damit er nicht nass wird. Die Klasse setzt sich in Bewegung, Maikels Mutter geht – nach wie vor schweigend – schaut uns aber noch eine Zeit lang nach.

Übrigens: Konflikte und Diskussionen um das Thema Ausländer und Rassismus trägt Lehrer nicht nur mit Erwachsenen aus, sondern selbstverständlich auch im Unterricht. Hier gibt es einen Linktipp zum Blog einer Kollegin, die ihren Weg durch das Dickicht der Vorurteile sucht:

https://errollsblog.wordpress.com/2015/10/20/grundkurs-umgang-mit-rassismus-aus-der-not-geboren/

Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, dazu gibt es von mir an dieser Stelle später mehr.

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