Im Krieg

Milo ist auf militärische Themen fixiert. Wenn er nicht gerade auf dem Hintern durch den Klassenraum robbt, seine Stifte zu einer Pfeife umbaut, sich versteckt oder vor sich hinbrabbelt, ist er im Krieg unterwegs. Neuerdings auch literarisch. Dazu hat sich Milo von zu Hause einen Bogen schweres Briefpapier mitgebracht, den er auspackt, als der Rest der Klasse die Deutschsachen aus den Rucksäcken holt. Während für die anderen der Unterricht beginnt, fängt Milo an zu schreiben. Wenn man ihn auffordert, das zu unterlassen, ignoriert er das oder setzt sein Verhalten nach kurzer Zeit fort. Es ist nicht daran zu denken, dass Milo und der Unterricht zusammenkommen. Schule wird so zur reinen Verwahranstalt. Also, Milo schreibt:


 

Im Krieg – Kapitel 1

Ich bin Pete und ich bin 9 Jare alt. Wir wonen in deutschland, genaugenomen in Alltagsstadt. Bei uns ist krig. Mein Opa und meine Oma sind bei einem Bombenangrif auf ihr Haus ums Leben gekomen. Die die Bomben geworfen haben waren die asiatischen Stuka. Mein Fater ist im Feldlazarett. Er hatt einen Durchschuss an der Knischeibe abbekommen und ist verlezt. Und mein Bruder ist im krig, mein Onkel ist gefallen. Meine Muter ist krank aber wir haben kein geld für Medizin. Ich bin der einzige, der noch nicht versert ist.


 

Hier endet das erste Kapitel aus Milos geplantem Kriegsroman. Am Stundenende faltet er das Blatt und steckt es in einen passenden Briefumschlag, den er ebenfalls mitgebracht hat, und überreicht ihn Felix. Der öffnet den Umschlag, liest den Inhalt und gibt ihn verständnislos guckend mir. Felix kann damit nichts anfangen.

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