Frühstück

„Herr Alltagsarbeiter, heute habe ich richtig gut gefrühstückt.“ Jerome steht vor mir, um mir diese Kunde zu überbringen. Das ist tatsächlich eine bemerkenswerte Nachricht, denn regelmäßig haben wir das Gefühl, dass dieser Schüler nicht ausreichend versorgt wird. „Was hast du denn gefrühstückt?“, frage ich daher nach. „Ein Schokohörnchen und ein Stück Schokolade“, strahlt Jerome mich an, „und ein Schokohörnchen habe ich mir noch mitgenommen.“ So viel zum „richtig guten“ Frühstück.

Ich nehe das zum Anlass, einen Blick auf die Pausenbrote unserer Schüler zu werfen. Viele haben einfach ein belegtes Brot oder Brötchen dabei, manchmal entdecke ich auch etwas Obst oder Gemüse dazu, etwa Apfelstücke oder Möhren. So weit, so normal, doch manches Frühstück fällt auf:

Es klingelt zur ersten großen Pause, der Deutschkurs in Jahrgang 7 ist damit vorbei. Markus packt eine Chipstüte aus und lässt es knacken. Später kommt Fanta hinzu.

Mit Limonade hält es auch Pavel aus meiner Klasse, abgefüllt in einer praktischen 1,5 Liter-Flasche. Ilian greift dagegen regelmäßig zu Cola.

Als Cola-Ersatz sehe ich Energydrinks in den Händen der Schüler. Zum Beispiel in Jahrgang 6. Ich habe nicht den Eindruck, dass es unseren Sechstklässlern an Energie mangelt.

Immer wieder Gegenstand der Diskussionen um ein vernünftiges Schulfrühstück ist Weißbrot bzw. Toastbrot in den Varianten getoastet und ungetoastet. Es ist natürlich auch bei uns ein häufig gesehener Gast, fällt aber insbesondere dann auf, wenn bei einem Schüler ein Krankheitsbild vorliegt, bei dem Weißbrot denkbar ungeeignet ist und krankheitsverschärfend wirken kann.

Wenn Chicken-Wings ihren Weg in die Brotdose finden, ist Aufmerksamkeit sicher: Alle Mitschüler wollen etwas abhaben.

Ralf hat dagegen täglich eine bunte Auswahl an Keksen, Schokoriegeln und Fertigpuddings dabei.

Die Alternative: Gar kein Frühstück.

Die andere Alternative: Während die Schüler meiner Klasse in die Pause gehen, packt Joris noch etwas umständlich seine Sachen zusammen. Er nimmt seinen Rucksack immer mit in die Pause. Er öffnet seine Brotdose, sichtlich erstaunt entfährt es ihm: „Oh, ich habe ein Lachsbrötchen!“

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