Individuelle Betreuung

Der Übergang von der Grundschule zu den weiterführenden Schulen gleicht für viele Kinder einem kleinen Schock. Teilweise sind die neuen Schulen weiter entfernt als die alten, es gilt, sich an neue Aufstehzeiten zu gewöhnen. Die über vier oder fünf Jahre vertraut gewordenen Lehrer sind weg, dafür neue, zunächst noch unbekannte, da. Selbiges gilt für einen Teil der Mitschüler in der neuen Klasse. Zu allem Überfluss sind die weiterführenden Schulen auch noch größer als die bisherigen Grundschulen, sowohl was die Gebäude als auch die Schülerzahlen betrifft. Und: Sie verlangen von den Schülern nach einer kurzen Eingewöhnungsphase abrupt ein deutliches höheres Maß an Selbstständigkeit. Übergangsschmerzen sind also vorprogrammiert, verschwinden aber bei vielen nach den ersten Herbstferien. Kinder sind bemerkenswert anpassungsfähige Wesen.

Dennoch versucht man, eine Kollegin in den täglichen Telefondienst zu zwingen. Beinahe täglich erreichen sie als Klassenlehrerin einer fünften Klasse auch nach den Herbstferien die Anrufwünsche einer Mutter. Die Anlässe sind verschieden.

Man habe da ein ganz besonderes Kind, der Sohn habe nämlich ADHS. Ob man da bitte auch ganz besonders auf ihn achten könne?

Ein anderes Mal geht es um die Benutzung der Mensa bzw. die Durchführung der Essensbestellungen. Ja sicher, wie man das Bestellterminal in der Schule benutzt, wurde den Kindern in der ersten Woche mehrfach gezeigt. Aber ob sie bitte trotzdem mit dem Sohn nochmal persönlich zum Terminal gehen könne, um ihm das zu zeigen? Übrigens kann man bei uns – wie an vielen anderen Schulen auch – seine Bestellung online von Zuhause aus erledigen. Für die ganze Woche im Voraus!

Beim nächsten Rückrufwunsch gibt es eigentlich gar keinen Anlass. Man wolle einfach mal hören, wie es denn mit dem Sohn so in der Schule liefe. Nur so. Und weil der Sohn schließlich ADHS habe.

Zwei Tage später ist der Grund schon wieder deutlich ernster. Mit dem Schulweg sei das so eine Sache. Der Sohn müsse ja jetzt mit dem Bus zur Schule kommen. Außerdem auch wieder zurück nach Hause. Also mit dem Bus. Das fiele ihm nach wie vor sehr schwer. Ob die Klassenlehrerin bitte einmal nach der Schule mit dem Sohn zusammen Bus fahren könne, damit er den Weg und das Busfahren besser kennenlernen könne?

Sie kann nicht. Weiter stellt sie fest, dass sie sich in Zukunft von sich aus melden werde, wenn es etwas Wichtiges zum Sohn mitzuteilen gäbe.

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