Schnellheilung

Zum Stundenbeginn bei den neuen Fünftklässlern fehlen zwei Jungs. Wir haben längst mit dem Unterricht begonnen, da kommen sie endlich zur Tür hinein. Zuerst Aaron, dann sein Freund. Aaron sieht todungglücklich aus und möchte, kaum dass er da ist, ins Krankenzimmer entlassen werden. Wo er im Übrigen gerade herkommt. Er berichtet mir was geschehen ist, kann dabei kaum seine Tränen zurückhalten:

In der Pause hatte Adriano eine Dose Haarspray aus der Tasche geholt und hielt sie Aaron in einem unbeobachteten Moment vors Gesicht. Der muss vor Staunen über das Haarspray den Mund weit geöffnet haben, ein dritter Mitschüler drückte drauf und Aaron schmeckte Haarspray. Das schmeckt erstens nicht gut, ist zweitens zwar nicht lebensgefährlich aber drittens ziemlich klebrig. Seittdem klebte es (zunächst) in Aarons Hals, auch wenn er regelmäßig etwas trank.

Dennoch behalte ich den Jungen im Raum, der sich unglücklich seinem Unterrichtsschicksal fügt. In der zweiten Stundenhälfte dreht er unvermittelt auf. Er unterhält sich intensiv mit seinen Sitznachbarinnen, schreibt Zettel, die leider vor Erreichen des Empfängers bzw. der Empfängerin in meiner Hosentasche verschwinden. Auch für einige lustige Sprüche ist er zu haben. Aaron scheint Nachholbedarf zu haben. Am Ende der Stunde steht er vor mir:

„Herr Alltagsarbeiter, es geht mir schon etwas besser.“

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