Lost in Schulbuch

Christian ist in meinem Unterricht schon seit einiger Zeit etwas aufgefallen: „Herr Alltagsarbeiter, wieso schreiben Sie immer die Seitenzahl an die Tafel, wenn Sie sie sagen?“ Richtig beobachtet, Niklas verdient eine Erklärung:

„Ihr schlagt bitte euer Geschichtsbuch auf Seite 82 auf.“ Bleibt diese Aufforderung von mir so stehen, setzt in der Regel ein größeres Rätselraten ein.

„Welche Seite?“

– „Seite 82.“

„Hä? Was haben Sie gesagt?“

„83?“

„Können Sie die Seite nochmal sagen?“

– „Seite 82.“

„82 oder 83?“

Sobald die Seitenfrage mehrfach geklärt wurde, soll etwas vorgelesen werden. Ein Schüler meldet sich, kommt dran, beginnt zu lesen: „Vor 200 Jahren waren die Menschen…“

„Hää?!!“ Das steht da gar nicht! Bei mir steht was ganz anderes!“, ruft jetzt jemand in den Raum. Das ist viel zu dringend, als dass Zeit zum Melden bliebe. Ich schaue nach, wo denn das Problem liegt. Da hat jemand doch glatt Seite 92 aufgeschlagen. Auf der steht natürlich etwas anderes. Schnell zehn Seiten zurückgeblättert und alle sind wieder im Bilde.

Nachdem sich dieses Spiel einige Male wiederholt hatte, begann ich bald, die geforderte Seitenzahl einfach zusätzlich zur Ansage an die Tafel zu schreiben. Und meistens funktioniert das auch. Auch mit Seite 85. Meistens.

„Aber das steht da nicht bei mir! Da steht…“

– „Hast du Seite 85 aufgeschlagen?“

„Ja!“

Wieder schaue ich nach, was da los. Ja, der Schüler hat Seite 85 aufgeschlagen. Im Deutschbuch, nicht im Geschichtsbuch.

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4 Gedanken zu “Lost in Schulbuch

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