Verschiedene Blickwinkel

Dass David ab und an die Schule schwänzt findet seine Mutter nicht gut. Dass wir da Gesprächsbedarf haben, versteht sie. Und zu besprechen gibt es so manches. An einem Tag, an dem David wieder fehlte, traf eine Kollegin ihn nachmittags in der Stadt an – sie kam, sah und handelte: David wurde kurzerhand eingesackt und nach Hause verfrachtet. Der Junge war doch angeblich krank? Man bat die Kollegin herein, sie lief an Stapeln von Umzugskartons (die Familie ist laut unseren Meldeunterlagen nicht kürzlich umgezogen) durch einen vermüllten Flur, vorbei an verkrusteten Tellern und durch dichte Zigarettenqualmschwaden in Richtung eines Raumes, in dem ein Fernseher das anschließende Gespräch nach Kräften torpedierte. Der Junge musste seiner (wirklich) kranken Mutter an diesem Tag wohl durchgerutscht sein.

Nun also ein anderes Gespräch, diesmal bei uns. Wie gesagt, dass wir das Schwänzen nicht tolerieren können, versteht sie. Doch sie hat noch andere Sorgen: „Wissen Sie“, erklärt sie uns, „mein Bruder klaut bei Real den ganzen Laden leer. Der klaut da alles. Und sein Cousin hat schon Anzeigen wegen Körperverletzung gehabt.“

Da sähe es bei David doch noch gar nicht soo schlimm aus.

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