Täuschung

Schon seit Beginn der Deutscharbeit in meinem Siebener-Grundkurs brabbelt Nevit unablässig vor sich hin. Er kann nicht anders, die Gedanken schießen immer kreuz und quer durch seinen Kopf und jeder einzelne von ihnen lässt ihn in höchste Aufregung verfallen.

Die passende Buchseite (steht an der Tafel)? – Wie lange ist es noch bis zu den Ferien? – Wann schreiben wir eigentlich die nächste Mathearbeit? – Ich habe keinen Stift! – Auf welcher Seite im Buch sind wir? – Wo Stehe Ich Eigentlich Gerade In Deutsch? – Fuck, Ich Habe Was Im Klassenraum Vergessen! – Können Sie Die Seite Im Buch Nochmal Wiederholen? – KOMMT BALD DIE NÄCHSTE DEUTSCHARBEIT? – WIE LAUTET UNSER THEMA? WAS MACHEN WIR HIER EIGENTLICH??? UND  WIE HEISST DENN JETZT DIE BUCHSEITE???

Jede Äußerung kann während einer Arbeit als Täuschungsversuch gewertet werden, doch wie gesagt – Nevit kann sich nicht an die Regeln halten, selbst wenn vielleicht ein Teil von ihm will. Es sprudelt einfach aus ihm hinaus und Nevit ist dem machtlos ausgesetzt. Ich weiß darum, weise ihn mehrfach darauf hin, nehme ihm die Arbeit nicht ab.

Eine Viertelstunde vor Abgabe hält Nevit seine Arbeit in die Luft in Richtung eines Mitschülers und tippt mit dem Stift auf eine Aufgabe. Ich bin kurzzeitig perplex, traue meinen Augen kaum. Redet der Junge gerade ernsthaft öffentlich über die Arbeit? Eine Viertelstunde vor Abgabe bekommt Nevit die Arbeit wegen Täuschung von mir abgenommen. Er guckt mich mit runden Augen an:

„Aber der brauchte Hilfe!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s