Ohne Punkt und Komma

Um die Qualität einer Personenbeschreibung zu überprüfen, werden meine fünfte Klasse versuchen, die in einem kurzen Text beschriebene Person zu zeichnen. Zeichnen ist fast wie Malen und Malen stößt bei den meisten noch auf ungebrochene Begeisterung. Bei manchen Schülern muss ich dann  aufpassen, dass sie nicht vor lauter Freude das Thema vergessen und sie zu ihrer Aufgabe zurückbringen. So auch Manuel.

„Hey Noah, brauchst’n Stift? Ich hab‘ einen von Bauhaus!“ Manuel sind angeregte Gespräche deutlich lieber als Unterrichtsaufgaben, die er selbstständig erarbeiten soll. Noah, der hinter ihm sitzt, istselbst ein fröhlicher Junge, hat allerdings inzwischen regelmäßig genug von Manuels Gealber: „Alter, lass‘ mal den Scheiß und laber hier nich‘ rum!“ Manuel möchte aber noch nicht: „Kannste behalten, ich hab‘ noch mehr davon! Ist von Bauhaus!“ Ich stehe neben Manuel und zeige ihm noch einmal dass seine Aufgabe vor allen Dingen mit der Personenbeschreibung zu tun hat und nicht mit seinem Bauhaus-Bleistift. Nach wie vor ist Manuel ganz woanders: „Wollen Sie auche einen haben? Ist von Bauhaus!“ , gluckst er. „Manuel, das ist deine Aufgabe und nichts anderes.“ Ich werde langsam ungeduldig. Zu oft erlebe ich bei ihm, dass er versucht, aus Arbeitsphasen seinen Privatzirkus zu machen. „Ich hab‘ auch noch einen von Ikea.“, setzt Manuel schnell noch einen drauf, bevor er vorläufig tatsächlich an die Personenbeschreibung und die Zeichnung geht.

Aber nicht lange: „Ich weiß nicht, was ich machen soll!“ und: „Ich kann aber nicht zeichnen!“ Eine letzte Verwarnung und zwei Minuten später entstecht dann aber doch langsam die Zeichnung der Person aus der Beschreibung. Aber sein Repertoire ist nicht erschöpft. Nun pfeift er ein Lied dazu: „Ich bin eben ein fröhlicher Mensch.“, erläutert er mir. Den Rest der Stunde arbeitet er vor der Tür.

Zwei Schulstunden später unterhalte ich mich mit der Englischarbeitrin der Klasse. Manuel hat vor der Tür gearbeitet, er ließ sich partout nicht davon abbringen, lieber seine Mitschüler zu unterhalten, statt mitzumachen. „Quatschen ist gesund!“, wusste er ihr zu erklären.

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