Das Handy. Dringend.

Es klopft laut gegen die Tür des Lehrerzimmers. Zwei Sekunden Stille, dann hämmert es drauf los. Wieder zwei Sekunden Stille, dann geht das Hämmern weiter, jetzt wird es von einem Rufen begleitet: „HALLO! HAALLO! HALLOHO!!“

Dieser eindringliche Auftritt hat eine Vorgeschichte. Einer Fünftklässlerin names Sara-Jane wurde in der Pause das Handy abgenommen, als sie es auf dem Schulhof benutzt hat. Wie an anderen Schulen auch, gilt bei uns ein Handyverbot. Auch wenn Sara-Jane doch nur ihre Mutter anrufen wollte. Dafür bietet unser Sekretariat aber ein Telefon an. In einer späteren Version der Geschichte war das Handy dem unschuldigen Mädchen einfach aus der Hosentasche gefallen. Kann sie doch nichts für, wie sie sich selbst bescheinigt. Eingezogene Handy werden bei uns den Klassenlehrern übergeben, die diese dann am Ende des Schultages wieder aushändigen. Wiederholungstäterinnen und -Täter bekommen ein Schreiben nach Hause.

Doch so lange wollte Sara-Jane nicht warten, also hämmert und ruft sie unablässig, bis ich die Tür aufmache: „Kann ich mein Handy wiederhaben?“, blafft es mir ohne Begrüßung entgegen. Ich setzte schon zu einer Erziehungstirade an, aber ihre Klassenlehrerin ist hinzugekommen und übernimmt. Eine große Pause später hat meine Kollegin eine Benachrichtigung vom Sekretariat im Fach. Sara-Janes Mutter erbittet „dringend“ einen Rückruf und fordert laut Notiz auf der Benachrichitgung, dass ihrer Tochter ihr Eigentum zurückgegeben werde.

Wie Sara-Janes Mutter davon erfahren hat? Ihre Tochter hat das Sekretariat gefunden. Samt Telefon.

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