Angst

Heute bin ich der Teamarbeiter für eine Deutschkollegin und gemeinsam stehen wir nun vor einer fünften Klasse. Emil hat den unterschriebenen Rückläufer für einen Hausaufgabenbrief nicht dabei, seit einer Woche wartet meine Kollegin darauf. Sie hat einen Verdacht: „Emil, hast du den Brief zu Hause abgegeben?“ Der schüttelt bedrückt ein wenig den Kopf. „Aber Emil, warum denn nicht, du weißt doch, dass das irgendwann rauskommt.“ „Ich habe mich nicht getraut.“ Er ist kaum zu hören. „Emil, ich kenne doch deine Eltern, die werden da doch nicht gleich böse.“ „Ich hatte Angst.“

Emil ist nochmal ein Stück leiser geworden, seine Stimme fast erstickt. Natürlich weiß er, was folgt, wenn er den Brief nicht zu Hause abgibt. Seine Deutschlehrerin wird bei seinen Eltern anrufen und dann hat er nicht nur mehrfach seine Hausaufgaben nicht gemacht, sondern auch noch ein Schulschreiben verheimlicht. Jetzt ist alles nur noch schlimmer für den kleinen Jungen, eine erste Träne rollt. „Emil, ich rufe heute deine Eltern noch nicht an und mache mir auch keine weitere Notiz, aber morgen möchte ich von dir den unterschriebenen Zettel sehen.“ Sie sieht Emil noch einmal an. Schniefen, dann ein leichtes Nicken.

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