Selbstreflexion

„Herr Alltagsarbeiter, Anna hat ‚Schlampe‘ zu mir gesagt!“ Solche Beschwerden habe ich in den vergangenen Monaten bei meinen Fünftklässlern immer wieder erlebt. Dabei habe ich aber ebenso dazugelernt: Die Kinder beschweren sich häufig über das, was andere ihnen ganz bestimmt oder auch nur vermeintlich angetan haben sollen. Über ihre eigene Rolle in Konflikten mit Mitschülern schweigen sie lieber. Manchmal beteuern sie dabei, dass sie auch wirklich überhaupt gar nichts getan haben, sie waren einfach nur so da und dann hat der andere plötzlich etwas Böses gemacht. Nur so. Man weiß auch nicht, warum.

Allein – das stimmt nicht. Immer wieder habe ich später herausgefunden, dass die vermeintlichen Opfer regelmäßig diejenigen waren, die den Streit vom Zaun gebrochen haben. Nur ausfechten wollten sie ihn nicht.

„Nalin, ich denke, dass Anna nicht einfach einen Funken im Kopf hatte, der ihr sagte, dass sie dich beleidigen soll. Da gab es doch bestimmt einen Streit. Was hast du denn so gemacht?“

Nalin lächelt wissend-verlegen. „Ich…ich weiß es nicht mehr.“, gibt sie nach einer kurzen Denkpause zu. Und geht lieber schnell.

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