Zeichen der Reue

Lukas stört häufig. Er ist absolut nicht dumm, aber er quatscht unablässig mit seinem Sitznachbarn. Spricht man ihn an, reagiert er mit einem Grinsen und einem überheblichen „Yo!“ oder „Alles klar.“ Und redet umgehend weiter. Das bessert sich erst etwas, wenn man ihn auf einen Einzelplatz mit gebührendem Abstand zu seinen Mitschülern setzt. Zur Not versteht er sich einfach mit jedem im Deutschgrundkurs gut. Auch selbstständige Arbeitsaufträge sind nicht seine Sache. Hat er Freiraum zum Arbeiten, vielleicht auch noch eine Wahl zwischen verschiedenen Aufgaben, dauert es eine kleine Ewigkeit bis zum ersten Buchstaben.

Nun muss man bedenken, dass 13 Jahre ein für alle Beteiligten inklusive des 13jährigen selbst ein anstrengendes Alter sind. Im Hauswirtschaftskurs erwähnte Lukas, dass der Haussegen beim gemeinsamen Essen am Wochenende gerne mal schief hängt, „wenn er das Essen nicht bevorzugt.“ So seine Worte. Einen Brief (im Beamtensprech: Information zum Sozial-/Arbeitsverhalten) mit der Erläuterung seines unablässig störenden Verhaltens haben seine Eltern dennoch bekommen.

Den muss die Post pünktlich zum Wochenende zugestellt haben. Heute meldet er sich regelmäßig – ich habe ihn gleich zu Beginn der Stunde auf einen Einzelplatz gesetzt – und kann viel zur Stunde beitragen. Am Ende steht er vor mir: „Herr Alltagsarbeiter, ich möchte mich bei Ihnen für meine Störungen und mein Verhalten im Unterricht entschuldigen.“

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