Die Verwandlung

Timur hat Kopfschmerzen bekommen. War er nicht gerade eben noch bester Laune, für jede Ablenkung und jeden Spaß zu haben? Und war er nicht teilweise auch bei seiner Aufgabe? Bei 11jährigen Kindern geht das tatsächlich auch mal sehr schnell, Timur sieht auf jeden Fall ganz blass aus. Die Teamarbeiterin begleitet ihn nach draußen, lässt ihn frische Luft schnappen.

Manuel hat das sehr aufmerksam verfolgt. So aufmerksam, dass er seine eigene Aufgabe noch gar nicht ernsthaft beginnen konnte. Sein Gesicht, gerade noch ein ganz normales Fünftklässlergesicht, verzieht sich augenblicklich ins Schmerzhaft-Unglückliche, eine Hand hält seinen Bauch, die andere schnellt nach oben. „Herr Alltagsarbeiter, ich habe auch Kopfschmerzen!“ Die Teamarbeiterin, inzwischen zurück, schaut mich an, ich schaue die Teamarbeiterin an. Lehrergedanken in Synthese, wir denken dasselbe. „Soll er hier im Raum vielleicht ein kaltes Tuch bekommen?“, schlägt sie leise vor. „Das kann er gerne haben, aber er geht nicht ins Krankenzimmer.“, bestimme ich. Manuel verlässt den Raum zu gerne aus gesundheitlichen Gründen. Und kommt ebenso gerne längere Zeit nicht wieder, schließlich findet man manchmal anregende Gesprächspartner im Krankenzimmer.

Heute entlasse ich ihn nicht dorthin, nehme ich mir also vor. Was für Manuel kein Problem ist, er entlässt sich nach der großen Pause einfach selbst und kommt mit 20 Minuten Verspätung zur nächsten Stunde. Ihm war schlecht, aber artig fragt er, wo seine Arbeitsgruppe sitzt.

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