Junge Liebe

Meine Hauswirtschafts-schafe bewegen sich irgendwo zwischen emsigem Arbeitssummen, Fangen-Spielchen und Arbeitsvermeidungsstrategien, kurz, die Stunde läuft wie erwartet. Zwei Mädchengruppen fassen fleißig Ernährungstrends zusammen, um sie dann auf Plakaten darszustellen. Ihre Gestaltungsvorschläge klingen sehr strukturiert. Zwei Mädels sind neu an der Arbeit, vergangene Woche waren sie krank. Kein Problem, sie können wunderbar die Zweiergruppe von Andy und Leonard ergänzen. „Ihr erklärt den beiden, an welchem Thema ihr arbeitet und welchen Auftrag ihr habt.“ fordert die Teamarbeiterin die Jungs auf. Sie unterrichtet den Kurs mit mir zusammen. „Ich habe meine Sachen nicht dabei…“, murmelt Leonard kaum verständlich. Immerhin ist er da. Morgens hat er sich tatsächlich anweisungsgemäß im Sekretariat gemeldet und wurde von dort in den Unterrichtsraum eskortiert. So ist er anwesend, immerhin. Irgendwo findet sich doch noch eine Mappe, Leonard sieht zwar auch keine Veranlassung zu arbeiten, steuert aber zumindest ein paar Witze bei. Schnell herübergeschaut zu Marcel und Emil, die beiden hatten es bisher auch nicht so sehr ein Ziel vor Augen. Marcel…? Wo ist… Da steht er vor mir: „Können wir in den Computerraum, wir wollen Bilder suchen.“ „Zu welchem Punkt braucht ihr denn Bilder?“ „Keine Ahnung, wir wollten mal so schauen.“ Schulterzucken. „Nein, erst kümmert ihr euch um den Inhalt, dann sucht ihr die passenden Bilder zu diesem Inhalt.“ Typische Alltagsarbeiter-Antwort. Der will strukturiertes Arbeiten. „Maaan….“ Wo ist denn nun wieder Emil? Der war doch gerade noch… „Marcel, warum arbeitest du denn jetzt nicht?“ „Ja, ich warte auf Emil, der wollt‘ was holen.“ „Und da kannst du nichts machen in der Zwischenzeit?“ „Ok…“ Irgendwo auf dem Flur sehe ich Emil: „Was machst du denn hier, du hast einen Auftrag.“ „Ja, ich warte auf Marcel.“ Emil wartet auf Marcel wartet auf Emil. Sehr praktisch. Nein, die Plakate werden heute nicht wie von mir eigentlich geplant fertig. Ich lasse meinen Blick nach draußen schweifen, dort hat meine eigene Klasse lange Mittagspause. Kyrill, Fernando und Tarkan rangeln miteinander, vor den Augen von zwei Mitschülerinnen balzen sie sich wie Hähne. Die Jungs versuchen einander Küsschen zu geben, teilweise erfolgreich. Sie haben ein klares Ziel.

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