Versteckspiel im Unterricht

Religionsstunde. Meine fünfte Klasse gondelt etwas träge durch die Minuten, die Gesichter sind müde, es ist die letzte Unterrichtsstunde des Tages für sie. In Gedanken sind sie bestimmt längst zu Hause, da bleibt kein Platz für Jesus, dem alten Sozialrevoluzzer. Aber in meinem Augenwinkel sehe ich doch schon wieder Nadine in der hintersten Reihe irgendetwas machen. Schnell hingeschaut, das Mädchen angesprochen. Ihr Tisch ist leer. Keine unterrichtsfremden Sachen da. Allerdings auch keine Unterrichtsmaterialien. „Hole bitte auch du dein Buch heraus.“ – „Hab‘ ich zu Hause vergessen!“ „Morgen ist es da.“ Manchmal haben solche Dialoge fast Ritualcharakter, doch sie ist doch schon wieder dabei, etwas zu….. Schnell hingeschaut, ihr Tisch ist leer. Ihre Hände auch. Dieses Spiel betreibt sie ab und an, in der Regel gewinne ich. Heute nicht. Vielleicht braucht sie einen neuen Platz? Die letzte Reihe scheint ihr nicht gut zu tun, schließlich ist auch Frank ein zu guter Gesprächspartner für sie. War da nicht schon wieder was? So ein kleines farbiges Gummiband, wie sie alle Schüler momentan zu einem größeren Band geflochten dabei haben? Die kann man wunderbar durch den Raum schnippen, fällt den ollen Lehrern fast gar nicht auf. Der Pausengong beendet meine Dedektivarbeit und Nadine steht unvermittelt vor mir. Strahlend überreicht sie mir eine kleine gelbe Figur  mit angedeuteter Brille, hergestellt aus den besagten Gummibändchen: „Herr Alltagsarbeiter, ich habe Ihnen ein Minion gemacht!“

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